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Vorwort 2/2017

Liebe Freundinnen und Freunde des Horber Klosters,

die Furcht vor der Freiheit war zu allen Zeiten die übelste Motivation für unmenschliche Handlungen, das belegt die Geschichte leider immer wieder neu.
Doch „Man ist nicht nur für etwas verantwortlich, was man tut, sondern mindestens ebenso auch für das, was man nicht tut“.  - Ich finde, nirgendwo gehört dieser Satz mehr hin wie in die heutige Zeit.

Wo nun doch innerhalb kürzester Zeit so viele vertraute Sicherheiten ins Wanken gekommen sind. Wo wir neuerdings sogar mit einem amerikanischen Präsidenten konfrontiert sind, der mit allem zu brechen scheint, was Freiheit und Demokratie ausmacht - exakt das, wofür Amerika bislang doch immer ganz besonders gestanden hatte.

Doch auch in Europa und ebenso in Deutschland sind ja massiv rechtsnationalistische Tendenzen zu beobachten. Und das zudem mit einer erschreckenden Direktheit. Es ist eine Direktheit, die selbst vor dem Zurechtlügen nicht zurück schreckt, ja, die diese sogar legitimieren will, indem diese frech als „Alternative Fakten“ bezeichnet werden.

Prof. Claus Leggewie, ein renommierter Politikwissenschaftler und Populismusforscher, hält deshalb die aktuelle politische Situation für den gravierendsten Angriff auf unsere Demokratie seit Hitler und Stalin.
Unsere Freiheit und Demokratie dürfen jedoch nicht verhandelbar sein!
Denn die Freizügigkeit und Offenheit, die Populisten mit der größten Selbstverständlichkeit für sich selbst einfordern, die sollen offenbar letztendlich nur für sie selbst gelten.

Fragen wir also deshalb jene Marktschreier doch kühl nach ihren Kriterien für ihre Parolen, nüchtern sezierend, grad so wie ein Biologe seine Präparate. Ob denn das, was sie so plärrig vertreten, künftig auch auf sie selbst angewandt werden solle. Denn das ist schließlich ja nur logisch, oder?!
Eben so, wie es deutsche Philosoph Immanuel Kant zusammen fasste: Dass man in seinem Leben nur so handeln solle, von dem man wünsche, dass dies zu einem allgemein gültigen Gesetz werden könne. Und folglich für alle (!) Menschen zu gelten habe.
Lassen wir uns also nicht blenden von diesen billigen Schnelllösungsparolen. Gestehen wir diesen Populisten nicht zu, dass sie ausweichend rumfaseln, wenn wir sie bohrend danach fragen, dass sie uns schwafelnd entwischen. Zwingen wir sie statt dessen zum Farbe-bekennen, ob sie das, was sie propagieren, künftig denn auch an sich selbst aushalten wollen.

Verbünden wir uns lieber mit allen, denen demokratische und freiheitliche Gesellschaftsstrukturen eine Herzensangelegenheit ist - auch wenn Jene lauter und lärmiger unterwegs sein mögen, die derzeit unsere Demokratie aushöhlen wollen. 
Stellen wir uns lieber zusammen und positionieren wir uns mit FRIEDLICHEN Mitteln. Vermitteln wir, dass wir solcher Demokratie-Demontage nicht zuschauen werden, sondern dass wir nachhaltig aus der Geschichte gelernt haben.

Jene, die offensichtlich vergessen haben, dass sie seit über 70 Jahren in Frieden und Freiheit leben dürfen, jenen, die höchstwahrscheinlich gar nie in ihrem Leben politische Willkür und Menschenverachtung erleben mussten.

Es ist nämlich in der Weltgeschichte ein höchst seltenes und somit ein äußerst kostbares Privileg, das wir hier in Deutschland genießen. Wir sollten also deshalb sehr sehr gut darauf aufpassen.

Wir vom Projekt Zukunft freuen uns jedenfalls schon auf einen friedvoll-konstruktiven Dialog mit Ihnen und auf Ihren Besuch bei uns im Horber Kloster!
Ihre

Lizzy A. M. Schmid
2. Vorsitzende des Projekt Zukunft, Kultur im Horber Kloster

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