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Vorwort 2 / 2009: Silbern und Blond

Menschen wollen an einem Ort mit attraktiver Infrastruktur leben. Ausbildungsmöglichkeiten, Arbeitsplätze, Einkaufsstätten, ein Mix verschiedener Alters- und Berufsgruppen, kulturelle Einrichtungen, eine ausreichende medizinische Betreuung und mehr gehören zu den Gründen, warum man dort hinzieht und bleibt. An einem dieser Stuhlbeine wird in Horb erneut gesägt: am Hospital zum Heiligen Geist.

Die Verluste des Kreiskrankenhauses in Freudenstadt hätten sich in den vergangenen fünf Jahren halbiert. Das Defizit des Horber Spitals hätte sich in diesem Zeitraum verzehnfacht, ist in der Lokalpresse nachzulesen. Die Diskussion, die durch die sogenannte vorübergehende Verlegung eines Bereichs der Inneren Medizin nach Freudenstadt aufgeflammt ist, wird genährt durch die Befürchtung, der Kreis werde das Horber Krankenhaus aufgeben. Letztlich könnte eine neue politische Entscheidung über das Fortbestehen des Krankenhauses fallen; eine Einmischung in die aktuelle Diskussion lohnt sich besonders für alle aus der Region. Menschen, denen an einer erreichbaren stationären Gesundheitsversorgung gelegen ist, können diesen Anspruch auf vielfältige Art geltend machen – nicht nur bei den anstehenden Wahlen in diesem Jahr.

Auch das Projekt Zukunft leistet 2009 wieder seinen Beitrag dazu, Horb ein spürbares Stück lebenswerter zu machen. Das Programm der nächsten Wochen ist gewohnt vielfältig mit einem Schwerpunkt auf literarischen Veranstaltungen. Theater rückt erneut ins Scheinwerferlicht des Klosters. Unverzichtbar Vorträge und Diskussionen u. a. zur sogenannten Finanzkrise; dazu eine Woche vorher am 21. April im Horber Olympia-Kino der Film mit dem viel zutreffenderen Titel „Let's make money“.

Der Mieterbund Freudenstadt berät im Kloster seit März Rat Suchende, wie sie ihre Rechte wahrnehmen können. Wir freuen uns über ein weiteres Angebot, das besonders eins deutlich macht: Das Horber Kloster ist ein Ort gesellschaftspolitscher Reflexion durch Kunst in ihren vielfältigen Ausprägungen, durch Information, Diskussion und jetzt auch Beratung.

Das Projekt Zukunft ist in die Jahre gekommen; das 25-jährige Jubiläum 2008 haben wir mit unserer silbernen Lockenpracht bekränzt. Aber der Name des Vereins ist uns nach wie vor auch Programm: Deshalb haben wir nicht gezögert und jungen Musikern aus der Region das ehrwürdige Gemäuer als Auftrittsplattform im Januar zur Verfügung gestellt. Diesen Faden wollen wir weiterspinnen und suchen also das Gespräch mit jungen Leuten, die kulturell talentiert und interessiert sind. Wir halten das für zukunftsträchtiger als uns die Haare blond zu färben.

Ja, das ist auch eine Einladung, sich vom Schwung der engagierten Diskussionen im Projektteam anstecken zu lassen; eine Einladung, Kultur und Künstler hautnah zu erleben; eine Einladung, im Team etwas zu bewegen für eine liebenwertes Horb, Sulz, Empfingen ...

Dieter Behler